23.05.2006 Google-Maps-Erweiterung


Alex Tingle, seines Zeichens Londoner und gewöhnt an englisches Wetter und daher an Überflutungen sehr interessiert, wollte wissen, wie es wohl ausschaut, wenn die Prognosen der Klimaforscher wirklich eintreffen und die Pol-Kappen abschmelzen.
So setzte er sich hin und programmierte eine Erweiterung für Google Maps um eine Flutsimulation zu erstellen - "Flood" taufte er seine Idee und die wird von Experten gelobt und Laien empfohlen, die ebenfalls die Neugier gepackt hat.

Im Internet suchte er sich die benötigten Informationen zusammen und nutzte dazu Daten der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM), die im Februar 2000 die Erde in der Vertikalen vermessen hat.
Rund 50 Gigabytes Rohmaterial der Fernerkundung liegen auf den Servern des geologischen Dienstes der USA, dem US Geological Survey .

Katastrophen-Skala erreicht 14 Meter, was aber eher unwahrscheinlich ist

"Wenn die Grönlandgletscher vollständig abschmelzen sollten, würden die Meere um rund sieben Metern ansteigen, habe ich gelesen", sagt Alex Tingle. Eine solche Steigerung ist eher unwahrscheinlich. Forscher gaben aber an, dass bei einem vollständigen Abschmelzen der Polkappen die Meeresspiegel um mindestens vier, vielleicht gar um sechs Meter steigen könnte.

Was das Programmieren und Verwerten der Daten betraf machte Tingle sich schon bestehende geographische Dienste zu Nutzen: "Die ganze schwere Arbeit haben ja die Jungs von Google erledigt", sagt er. Und wirklich benutzt er für seine Flutkarte Google Maps als Grundgerüst. "Sea level rise" heißt der Link auf Tingles Homepage, mit der sich der Anstieg des Meeresspiegels simulieren lässt, ansonsten hat man den Eindruck, man befindet sich auf den Seiten von Google Earth. Die Simulation ist bis 14 Meter Anstieg möglich.

Vorzustellen hat man sich als Laie eine unsichtbare Schablone, ein Overlay. Dieses Overlay legt Höhenlinien in den Stufen von 1 bis 14 Meter an und füllt je nach Auswahl den entsprechenden Bereich auf der Karte. MashUps werden solche Verknüpfungen von Daten unterschiedlicher Quellen genannt. Am Monitor erscheinen die per Mausklick überfluteten Gebiete dann schraffiert.

Grober Schätzwert

Dass Flood keine realistische Simulation für das Abschmelzen der Gletscher ist, sondern eben nur ein virtueller Wagenheber für Wasseroberflächen, stellte Tingle beim Blick auf das Kaspische Meer fest: "Das wird auch geflutet, wenn man den Meeresspiegel ansteigen lässt - dabei gibt es weit und breit nur Land, aber weder Gletscher noch eine Verbindung zum Meer."